Schutzbelüftungsanlagen
16. August 2007Schutzbelüftungsanlagen
Es gibt sie in rund und in eckig, in groß und in klein, teuer und günstig: Schutzbelüftungsanlagen!
Was ist das eigentlich, eine Schutzbelüftungsanlage?
Schutzbelüftungsanlagen dienen dem Schutz von Personen vor Schadstoffen in einem geschlossenen Raum. Sie versorgen die Personen mit gefilterter Luft und halten die Schadstoffe zurück. Dabei durchströmt die kontaminierte Luft mehrere Filterstufen, um die Grob- und Feinstäube, Schwebstoffe sowie Schadgase abzuscheiden. Darüber hinaus erzeugen Schutzbelüftungsanlagen einen Überdruck im Raum, damit keine Kontamination von Außen eindringen kann.
Wir möchten uns an dieser Stelle in unseren Ausführungen nur auf mobile Schutzbelüftungsanlagen für den Zivilenbereich beschränken. Es sei jedoch am Rande bemerkt, dass das Prinzip bei allen Schutzbelüftungsanlagen gleich gestaltet ist.
Funktionsweise einer Schutzbelüftungsanlage
Die wesentlichen Elemente einer Schutzbelüftungsanlage bestehen aus einem stabilen Gehäuse, einem elektrobetriebenen Motor mit Lüfter, einem Vorabscheider für Grob- und Feinstäube, einem Schwebstofffilter und einem Aktivkohlefilter.
Ein leistungsstarker Lüfter, der ca. 1000 Pascal Druckdifferenz überwinden muß, setzt den Luftstrom in Gang. Die Druckdifferenz setz sich aus dem Luftwiderstand zusammen, den die einzelnen Filterstufen in Summe erzeugen. Um die Leistung des Lüfters konstant zu halten, wird bei den heutigen Anlagen ein elektronisches Steuerungsmodul eingesetzt.
Die schadstoffhaltige Luft gelangt über einen Ansaugstutzen in das innere der Anlage. In der Regel wird die Außenluft über einen Zyklonvorabscheider von Grobpartikeln gereinigt. Durch die zentrifugale Luftverwirbelung innerhalb des Zyklons „fallen“ die groben Partikel heraus. Sie sind zu „schwer“, als dass sie vom Luftstrom weitergetragen werden könnten. Einige Zyklonvorabscheider sind auch in der Lage, Feinstäube mit Hilfe dieses Verfahrens abzuscheiden.
Nach der Abscheidung der Grobstäube, durchströmt die kontaminierte Luft einen Feinstaubfilter (Filterklasse F) und schließlich einen HEPA-Filter (Filterklasse H13), der die Schwebstoffe aus der Außenluft filtert. Mit diesen genannten Filterstufen sind die Partikel aus der schadstoffbeladenen Luft abgeschieden. Was bleibt, sind die gasförmigen Schadstoffe.
Die gasförmigen Schadstoffe werden abschließend über ein Aktivkohlefilter abgeschieden, wobei die Zusammensetzung dieses Filters aus unterschiedlichen Aktivkohletypen, in der Regel ABEK oder ABEKHg gemäß DIN EN 141 (vergl. Internetpräsenz ÖKO-SAN: www.oeko-san.de/Aktivkohle.htm ) besteht.
Die von einigen Anbietern offerierten Aktivkohlefilter des Typs AB sind unzureichend, da bei diesem Filtertyp nur organische und anorganische Schadgase abgeschieden werden können. Alle übrigen Schadgase gelangen ungefiltert in die Kabine und können schwerste gesundheitliche Schäden hervorrufen!
Nähere Informationen zu Filtermedien finden Sie in unserem Beitrag: Filtermedien schützen.
Nach den benannten Filterstufen gelangt die nun gereinigte Luft mit Überdruck in die Kabine. Der Überdruck verhindert das Eindringen von schadstoffhaltiger Luft in die Kabine. Bei sachgemäßer Abdichtung der Kabine bleiben nur kleinste Öffnungen erhalten, die zum Entweichen des Überdrucks notwendig sind.
Innerhalb der Kabine wird eine zusätzliche Umluftanlage eingebracht, die mit einem HEPA-Filter, zum Teil in Kombination mit einem Feinstaubfilter, bestückt ist. Die zusätzliche Umluftanlage filtert die durch Schuhwerk und Kleidung in die Kabine eingebrachten Schadstoffpartikel heraus. So wird gewährleistet, dass auch derartige Schadstoffe aus der Kabinenluft entfernt werden und die Atemluft frei von Schadstoffen bleibt.
Anforderungen an Schutzbelüftungsanlagen
Gemäß der berufsgenossenschaftlichen Regelwerke BGR 128, BGI 581, BGI 583, werden an Schutzbelüftungsanlagen mindestens nachfolgende Anforderungen gestellt:
1. Schutzbelüftungsanlagen sind nur in Kombination mit Klimaanlagen zu betreiben.
2. Der Fahrerkabine sind mindestens 12 und höchstens 120 m3/h Frischluft zuzuführen.
3. Der Überdruck in der Kabine soll zwischen 100 und 300 Pascal bei mindestens 20% Sauerstoff und maximal 0,5% CO2 liegen.
4. Die Schutzbelüftungsanlagen müssen mindestens aus folgenden Bausteinen bestehen:
4.1 Gebläse
4.2 Vorabscheider (Grob- und Feinstaubfilter und/oder Zyklon)
4.3 Schwebstofffilter (HEPA-Filter H13)
4.4 Aktivkohlefilter
4.5 Filteraufnahmegehäuse (soll mindestens Schwebstofffilter und Aktivkohlefilter umschließen)
4.6 Die Strömungsrichtung der Atemluft soll nacheinander Vorabscheider, Schwebstofffilter, Aktivkohlefilter passieren
Wartung und Pflege
1. Regelmäßige Wartung der Schutzbelüftungsanlage durch eine Sachkundigenprüfung (mindestens einmal pro Jahr eine Überprüfung der Schutzbelüftungsanlage sowie der Steuerung)
2. Regelmäßige Überprüfung der Luftschläuche und Kabine auf Leckagen durch den Fahrzeugführer
3. Tägliche Reinigung der Kabine
4. Regelmäßiger Tausch der Filterelemente gemäß Angaben des Filterherstellers
5. Schäden oder Mängel an dem Schutzbelüftungsanlagensystem sind umgehend durch Fachpersonal zu beheben
Einsatzbereiche für Schutzbelüftungsanlagen
Schutzbelüftungsanlagen können grundsätzlich überall dort zum Einsatz gebracht werden, wo die Umgebungsluft mindestens 20% Sauerstoff und weniger als 0,5% Kohlendioxid enthält.
Mobile Schutzbelüftungsanlagen für den Zivilbereich sind Lüftungsanlagen, die zumeist auf mobilen Geräten (Bagger, Lader, Kompaktoren, Dumper etc.) montiert sind, um den Fahrer vor toxischen Gasen und Schadstoffen, aber auch vor Gerüchen der Umgebungsluft zu schützen.
Typische Einsatzfelder sind Sanierungsflächen mit Altlasten, Deponien, Kompostierungs- und Sortieranlagen und sonstige mit Schadstoffen belastete Arbeitsbereiche, auch durch Zelte oder Hallen mit Querlüftung eingehauste schadstoffangereicherte / kontaminierte Flächen.
Der Betreiber einer Schutzbelüftungsanlage sollte in jedem Fall über die Schadstoffe (Boden-Luftanalyse), die in dem Arbeitsbereich vorkommen informiert sein, um die geeignete Schutzbelüftungsanlage und die geeigneten Filter, insbesondere Aktivkohlefilter einzusetzen.
Fragen Sie uns, wir helfen Ihnen gern bei der Auswahl einer für Ihre Einsatzbereiche entsprechenden Schutzbelüftungsanlage sowie der dazugehörenden Filtermedien. Als marktführendes Unternehmen in der Schutzbelüftungsfilterherstellung sind wir in der Beratung sachkompetent und in der Bewertung neutral.
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